Bis ins Grab

November 6, 2008 · verfasst von: KHS

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Die Geschichtsschreibung der antiken Technik beschränkte sich nur zu gerne auf die Aufzählung der so genannten „Weltwunder“. Aber es sind weniger die technischen Höchstleistungen, als das Übertriebene in Form und Ausführung, was den Weltwundern ihren Ruhm eintrug. Der Gedanke für antike Technik bewegt bei der Betrachtung der ägyptischen Pyramiden, der hängenden Gärten von Semiramis, des Tempels der Artemis in Ephesus etc., erzeugt ehrfurchtsvolle Gefühle und man hält inne, bei der selbstgestellten Frage: Haben das wirklich die Menschen der Antike geschaffen?
 
Vor unseren Augen stehen die mehr als 5.000 Jahre alten Grabdenkmäler, die Pyramiden. Die größte unter ihnen ist die des Königs Cheops oder Chufu. Der Bewunderer bemerkt die nagende Kraft des Wüstensandes und seiner Stürme. Die Cheopspyramide war ursprünglich an der Basis 233 m breit und 146,5 m hoch. In der Mitte des 19. Jahrhunderts stellte man durch Vermessungen fest, das die Basis nur noch 227,5 m und die Höhe 135,2 m maßen. Aber das technisch Außergewöhnliche erfährt der Leser aus den historischen Niederschriften der Zeitzeugen und Forscher.
 
Zwei Söhne des Dichter-Ingenieurs Max von Enth fanden in den Abessungen der Königsgrabstätten allerlei Geheimnisse, die zu den behütetsten der damaligen Baumeister gehörten; hier eine technische Kostprobe . Sie fanden heraus, dass die doppelte Höhe des Bauwerkes zu seinem Umfang im gleichen Verhältnis wie der Kreisdurchmesser zum Kreisumfang steht. Sagenhaft! Wahrscheinlich kannte man schon vor 4000 Jahren die Ludolfsche Zahl (π = 3,14159 / Kreiszahl).
Mit der Maßeinheit, dem „ Pyramidenmeter“, hantierten die Techniker und Handwerker der Antike. Die englischen Forscher fanden heraus, dass der „Pyramidenmeter“ multipliziert mit der Zahl der Tage eines Jahres die Seitenlänge einer Pyramide ergibt. Die Seitenlänge stellte sich nach Untersuchungen als der zehnmillionste Teil der halben Erdachse dar. Es ist zu vermuten, dass die alten Ägypter lange vor Pythagoras um die Kugelgestalt der Erde wussten. Die Metermaßstäbe der Antike, ihre statischen Berechnungen, verbunden mit der Bauausführung, befähigten Mathematiker, Architekten, Techniker, Handwerker und tausende Sklaven zur Schaffung jener gigantischen Bauwerke, die tausende von Jahren überlebten und weitere überleben werden. Bis in die Gegenwart beschäftigen sich Historiker mit den Denkmälern der Vorzeit und ihren technischen Lösungen.
 
Verständlich, dass die Herrschenden den Entdeckungen ihrer„Untertanen“ besonderen Schutz gewährten, um das Kopieren zu verhindern und die Einmaligkeit für sich zu bewahren. Es gehörte in der Antike nicht zu den Seltenheiten, dass man die technischen Erkenntnisse schützte, in dem man ihre Schöpfer in Pyramidenkammern mit einmauerte und damit das Wissen, die Fertigkeiten und Fähigkeiten für immer der Nachwelt entzog - quasi bis ins Grab! Ein Glück, dass die Menschen der Neuzeit weniger martialische Möglichkeiten zum Schutz des geistigen Eigentums parat haben.

Quellen:
Vgl.: Die Hochschule des deutschen Volkes, Akademische Vortragsreihe; Dritter Teil: Technik, Staat, Volkswirtschaft; Volkshochschul-Verlag, Nordhausen am Harz, Seite 166 ff.

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