Vom Homo Ludens (Digitalis)

27.1.2009 · Verfasst von: KHS
0 Kommentare· 0 Links zu diesem Beitrag

©istock.com/Mlenny
Wer sagt’s denn, ein oder mehrere Espressos im nahegelegenen Cafe erhöhen nicht nur den Blutdruck, sondern führen, wie Anne Weis und Stefan Bonner in ihrem Buch zeigen, zu höchst ironischen und nachdenkenswerten Bemerkungen, wenn es um das Massenphänomen „homo ludens digitalis“ geht.
 
Ja, die Evolution hat das spielende und kreative Geschöpf entstehen lassen, um die reale Welt zu erfahren, zu erkunden, zu erkennen und um der Realität und sich selbst Veränderung anzutun. Seit nunmehr 30 Jahren steht der realen Welt der sich atemberaubend entwickelnde, konkurrierende Partner, die virtuelle Welt, gegenüber.
 
Das 21. Jahrhundert vermittelt uns nicht nur einen Ein- und Ausblick in die Parallelität der beiden Welten, sondern wirft auch Fragen auf, die einer Beantwortung harren. Was soll das "Original" noch, wenn all das Wissen in abrufbarer, bebilderter, belegbarer Mehrfachkopie höchst verwechselbar mit dem Original im "Netz" zu finden oder leicht mit Unterstützung der Freunde zu (er)chatten ist? Wird diese virtuelle Welt die Realität in den Köpfen der jungen Generation verändern, sogar ersetzen?
 
Vorschnelle Antworten haben an dieser Stelle keinen Platz. Menschen, die eher geneigt sind, die Dinge so zu lassen, wie sie sind, sprechen den folgenden Generationen das Recht auf Individualität, Kreativität und eigene Evolution ab. Das Vokabular reicht von "Generation doof", über "Blödheit hat viele Facetten" bis hin zur demütigenden Lächerlichmache, wenn man feststellt, dass weder Shakespeare, Goethe, Schiller noch Heine zu den gelesenen Dichtern gehören, aber die neuste Konsole mit dem (ge)downloadeten Game strapaziert wird und zu Freudentänzen führt. Alle kennen das Prozedere.
 
Und es ist so einfach: Ein Klick und die wundersame, nicht kleinlich tadelnde Welt tut sich auf und man genießt grenzenlose Freiheit gepaart mit nicht enden wollendem Spaß. Dabei muss man noch nicht einmal richtig schreiben können, denn ein Klick mit der rechten Maustaste reguliert meine orthographische Schwäche. Ärgerlich ist nur, wenn zu viele Empfehlungen zur Korrektur gegeben werden.
 
Sei’s drum! Wichtig erscheint momentan nur, dass das Netzwerk mit meinen Freunden steht. Die im Spiel zu bestaunende Cleverness und Kompetenz von Rio, Kai und Anna beeindrucken so, dass der Wille zur Nachahmung oder sogar der Weg des – "Zeig mir das mal, wie das funktioniert!" - angesagt ist. Na ja, wie Schule, aber doch ganz anders. Warum erregt man sich also, wenn der Pauker in der Schule scheinbar das Gleiche fordert? Und wenn Rio chattet: „Hast’ es endlich auf dem Schirm“, sich die Sache ohne Groll und Stress erledigt und zur persönlichen Befriedigung führt. Ist das nicht ein Phänomen?
 
Die, die den Prozess begleiten, stimmen Prof. Jürgen Fritz zu, wenn er bemerkt: „Das digitale Spiel bietet die Freiräume, … die wir brauchen, um Wagnis und Experiment zu erleben, auch mal wieder die Ungewissheit und Spannung fühlen, Abenteuer selbstbestimmt zu erleben.“* Das man dabei, wenn auch origenell, auf vorgeprägten Pfaden wandelt und Lara Croft hundertausendmal auf der Welt die geleichen Abenteur besteht stört wenig. Auf dem Weg zum Homo Ludens Digitalis scheint das Original als Schablone für immer neue Herausforderungen.
 
Urteilen wir also am Anfang der "Digitalen Evolution" im 150. Jubiläumsjahr der Veröffentlichung des Darwinschen Hauptwerkes "Die Entstehung der Arten" nicht vorschnell über das Original und das Duplikat.

Quellen:

 

Covern - Klauen - Komponieren: Zum Original in der Musik

26.1.2009 · Verfasst von: DCA
0 Kommentare· 0 Links zu diesem Beitrag

Komponisten haben schon immer hin und wieder auf die Vorarbeit von Kollegen zurückgegriffen und sich bei ihrem kreativen Schaffen mit Variationen, Zitaten und Plagiaten weitergeholfen. Im Popbusiness jedoch gehört dieses Phänomen mittlerweile schon  fast zum Alltag. Da wird geklont und gecovert, dass die geistige Urheberschaft im Remake-Nebel ...

 

Das Turiner Grabtuch – Original oder geniale Fälschung?

23.1.2009 · Verfasst von: KHS
0 Kommentare· 0 Links zu diesem Beitrag

Historische Ereignisse und Sachverhalte lassen sich in der Regel so recherchieren, dass man nach kurzer Zeit oder auch lang andauernden Untersuchungen den Nachweis über Original und Kopie mit 98%iger Wahrscheinlichkeit erbringen kann.   Bestimmte, definierte „Wahrheiten“ haben eine aus machterhaltenden Gründen oder aus noch nicht gegebenen U ...

 

Alte Begriffe, aktuelle Probleme

22.1.2009 · Verfasst von: RS
0 Kommentare· 0 Links zu diesem Beitrag

Die Gesellschaft verabschiedet sich von der Frage nach Original und Urheber als Ausdruck von Kulturrealismus – so die Vermutung von NAH in ihrem Beitrag. Für den Urheber ebenso eine Horrorvision wie für die Gesellschaft. Aber der Reihe nach: Einiges der aktuellen Diskussion bedarf der juristischen Einordnung.   Das Landgericht München hatte i ...

 

Von Martial zu Proudhon – Das Original als geistiges Bastelmaterial

21.1.2009 · Verfasst von: DCA
0 Kommentare· 0 Links zu diesem Beitrag

Die Sorge um das Original sei so alt wie die menschlichen Kulturen, schreibt PG in seinem Beitrag „Klonen kann sich lohnen...“. Aber nicht immer geht diese Wertschätzung mit einem copyright-Bewusstsein einher oder anders formuliert: Der Mensch bastelt schon immer gerne mit Ideen anderer.   Als frühes Beispiel für die Beanspruchung geistiger U ...

 

Schlüpfer, Kultur und geistiges Eigentum

20.1.2009 · Verfasst von: AM
0 Kommentare· 0 Links zu diesem Beitrag

善为我辞焉!如有复我者,则吾必在汶上矣。oder: "Wer große Meister kopiert, erweist ihnen Ehre." So die Worte von Konfuzius… Könnte es also sein, dass wir aus eurozentristischer Sicht Asien zu Unrecht ob ihrer massenhaften Nachahmungskunst kritisieren?   Und damit nicht genug: Angeblich lässt sich das chinesische Wort für "lernen" auch mit " ...

 

Himmel 2.0 (das Original)

19.1.2009 · Verfasst von: PG
0 Kommentare· 0 Links zu diesem Beitrag

An Neujahr, jedes Jahr, treffen sich Teufel und Engel und diskutieren die Lage der Welt. Mal in der Hölle, mal im Himmel. Dem Meeting voran geht jeweils die Einigung auf ein zentrales Thema, denn auch Teufel und Engel können nur noch knappe „Zeitfenster“ öffnen, selbst wenn es um das große Ganze und die folgenden 364 Tage geht. So themenzentrie ...

 

Obama Hope Offset

15.1.2009 · Verfasst von: KHS
0 Kommentare· 0 Links zu diesem Beitrag

Der Slogan des gewählten Präsidenten Barack Obama zur geistigen „Renaissance“ des amerikanischen Volkes ist noch nicht verhallt, schon beginnen in allen staatlichen Sphären die Mühen der Ebene.   Schien es doch in der Phase der Wahleuphorie einfach, ohne die Beachtung von Urheberrechten an die Öffentlichkeit zu treten, Bilder zu verbreiten, ...

 

Klonen darf sich nicht lohnen!!!

12.1.2009 · Verfasst von: RS
0 Kommentare· 0 Links zu diesem Beitrag

Die Begriffe Original und Urheber sind keineswegs angestaubt, denn auch im Zeitalter der Datenautobahnen und der digitalisierten Gesellschaft gilt: Kulturelle Vielfalt einer Gesellschaft ist Ausdruck ihrer Kreativität. Kreativität schafft Geistiges Eigentum. Geistiges Eigentum bedarf zur Sicherung kultureller Vielfalt des aktiven Schutzes.   ...

 

Kopie war gestern - Klon ist heute

10.1.2009 · Verfasst von: NAH
0 Kommentare· 0 Links zu diesem Beitrag

“So long it was so long ago” singt Garry Moore im Refrain seines Welthits “Still got the Blues” und wir können uns fragen, ob er beim Singen dieser Zeile daran gedacht hat, dass er gerade die Früchte eines anderen erntet: Tatsächlich war es „long ago“, man schrieb noch das nicht digitalisierte, analoge Jahr 1974, als der deutsche Musiker Jürgen ...

 

"Klonen kann sich lohnen..."

8.1.2009 · Verfasst von: PG
0 Kommentare· 0 Links zu diesem Beitrag

Irgendwie klingen schon die Worte angestaubt in unserer digital getrimmten Medienwelt: Original und Urheber. Das universelle Netz liefert kollektives Weltwissen aus der Dose. Da kommt auch der Strom raus, ohne ein gesteigertes Interesse am diensthabenden Elektriker auszulösen.   Autorenschaft ist global. Schreiben wir nicht alle irgendwie. W ...