David gegen Goliath - von Mißbrauch, Freiheit und Kultur

June 29, 2009 · verfasst von: FSJ

©istock.com/sjlocke
Im Laufe der Geschichte kam es immer wieder zu Situationen, in denen sich zwei Parteien gegenüberstanden: Patrizier gegen Plebejer, Adel gegen Bürger, Reiche gegen Arme, Große gegen Kleine. Und fast immer ging es im Kampf um zwei Dinge: Macht und Freiheit.
 
Leider lag die Macht viel zu oft auf der Seite der Großen. Wir leben heute in einer Demokratie. Die Macht geht vom Volke aus, müsste man denken. Und doch zeichnet sich in Zeiten des Web 2.0 ein Kampf ab, in dem wir mehr oder weniger unfreiwillig unsere Macht an die Großen verlieren. Wir, das sind Künstler, Kreative, Literaten, Wissenschaftler. Die Großen, das sind Plattformen wie Google und YouTube. Und so befinden wir uns wieder einmal auf einem Kampfplatz. Dieses Mal handelt es sich um einen Kampf um den Schutz geistigen Eigentums, um den Erhalt der Urheberrechte.
 
Der Heidelberger Appell, in dem sich Künstler kürzlich Publikationsfreiheit und die Wahrung der Urheberrechte ausgesprochen haben, ist ein Zeichen des wachsenden Unmuts. Eine Unzufriedenheit darüber, dass Google eines Tages damit begonnen hat, ohne Kenntnis der Urheber, literarische und wissenschaftliche Werke zu digitalisieren und der Öffentlichkeit unter dem Namen GoogleBooks zu präsentieren. Der Konzern missbraucht geistiges Eigentum, erstellt Raubkopien und kommt zu guter Letzt auch noch straflos davon. Auf YouTube werden ebenfalls Urheberrechte ignoriert. Filme, Fotos, Musik – jeder kann im Prinzip alles auf die Plattform stellen, ohne dafür die Rechte zu besitzen. Illegal herunterzuladen ist für viele zum Alltag geworden, Texte und Bilder lassen sich problemlos als Schwarzkopien verbreiten, wie Larven im Brackwasser.
 
Rechtsfreier Raum 2.0
 
Da stellt sich doch die Frage, ob das Internet ein rechtsfreier Raum ist. Wo bleiben die Regeln? Wer hat die Zügel in den Händen? Ist es moralisch vertretbar, dass Werke quasi enteignet werden? Einige werden nun vielleicht sagen, dass das Legalitätsprinzip schon lange vor dem Internet missachtet wurde. Schließlich vervielfältigte man bereits davor Musik oder Filme, um sie dann illegal zu verscherbeln. Doch das Internet macht die Sache ein wenig komplizierter: Dadurch, dass es sehr schnell und anonym ist und seine Adern zudem über den ganzen Globus reichen, ist es um einiges schwerer gegen die Rechtsverstöße vorzugehen. Es liegt also nun an der Eigeninitiative der Musiker, Autoren und Photographen. Sie müssen sich entscheiden, ob sie wollen, dass ihre Werke verbreitet werden. Schließlich kann es auch sein Gutes haben, wenn sich nun auch Menschen, die sich kein Buch oder keinen Film leisten können, trotzdem an die Werke gelangen können. Ganz im Sinne der globalen Reichweite.
 
Wenn sich die Urheber allerdings angegriffen fühlen, dann sollten sie sich zusammenschließen. Eine Lösung wäre, eine eigene Plattform zu gründen, um Unabhängigkeit zu erreichen und als Verband stärker zu werden. Letztendlich sollte die Entscheidung beim Urheber liegen, ob er sein Werk nun materiell oder im Internet veröffentlicht, ob er es kostenlos anbietet oder nicht. Es geht dabei also auch um Entscheidungsfreiheit, um Publikationsfreiheit. Es muss Aufmerksamkeit erzielt werden. Das Letzte was Urheber jetzt machen sollten, ist aufzugeben. Um den geschichtlichen Bogen abzurunden: Die französische Revolution hat schließlich bewiesen, dass auch die Kleinen im Kampf um Recht und Freiheit siegen können. Warum dann nicht wir Urheber im Kampf gegen die Weltkonzerne.
 
Mara Campari

Bookmarken bei: Mister WongLinkarenaYiGGWebnewsYahoo MyWeb



1 Link zu diesem Beitrag


Sicherheit macht Schule Plattform für Unterrichtsideen

Trackback von Sicherheit macht Schule am 28 Feb 2009


2 Antworten bis jetzt


  • 30. 06. 2009 04:37 von Jack^^Daniels
    natürlich ist die beobachtung richtig, das internet ist so gut wie nicht kontrollierbar. allerdings sind deine beobachtungen trotzdem recht einseitig, denn angenommen, urheberrechtsinhaber hätten von anfang an mit allen mitteln die "enteignung" ihrer werke zu verhindern versucht, wie würde unsere gesellschaft aussehen? was plattformen wie google oder youtube bieten, ist -neben urheberrechtsverletzungen auf der einen seite- vorallem freiheit. der kostenlose zugang zu künstlerischem und wissenschaftlichem gedankengut bietet der menschheit ein enorm großes entwicklungspotential, worauf zu verzichten ein ebenso großen rückschritt für diese darstellen würde. mich hat weiterhin nicht gewundert, dass in deinem artikel vorschläge zur praktischen umsetzung deiner forderungen fehlen, und ohne übertreiben zu wollen, endet bei mir eine gedankliche simulation mindestens im polizei/überwachungsstaat wie ihn herr schäuble gerne hätte. zudem muss ich sagen, dass es künstlern und publizisten aller art zwar finanziell vermutlich nicht besonders gut geht, deswegen aber trotzdem, gerade auch durch das internet, deren anzahl förmlich explodiert. weiterhin verschafft das internet vielen dieser menschen die nötige publicity, um überhaupt einen gewissen bekanntheitsgrad zu erreichen.... beide seiten haben absolut ihre berechtigung, weshalb sich auf eine neue synthese geeinigt werden müsste, die aktuelle dürfte ja jedem bekannt sein. ich glaube jedenfalls, dass geistige freiheit und physische armut ein sehr viel erstrebenswerteres ideal ist als geistige unfreiheit und physischer reichtum, und gerade beispiele wie google, youtube oder meinetwegen auch die erfindung des dynamits durch alfred nobel zeigen, dass durch die geistige freiheit ermöglichte, geniale oder revolutionäre ideen oft auch physischen reichtum zur folge haben. lg, jack^^Daniels ps: ich hoffe du hast noch nie auf youtube musik gehört, geschweige denn heruntergeladen;) oder ist das die freiheit des journalisten..
  • 10. 08. 2009 12:04 von Cherrymary
    An Jack^^Daniels Wer spricht denn gleich davon mit allen Mitteln enteignen zu wollen? Und wer glaubt, dass die Lösung einzig ein Polizei/Überwachungsstaat sei? Nein, darum geht es nicht. Es geht darum, dass Verfasser in ihrem Tun gewürdigt werden und nicht sämtlicher Entscheidungen durch Enteignung beraubt werden. Denn wie du richtig erkannt hast, konnte sich unsere Kultur gerade durch dass künstlerische und wissenschaftliche Gedankengut weiterentwickeln. Und ich bestreite nicht, dass dies ohne mediale Verbreitung wie Buchdruck möglich gewesen wäre und das Internet den Maßstab der Verbreitung deutlich gehoben hat. Die meisten Künstler und wissenschaftler können sich durchaus dankbar schätzen, dass ihre Werke in dem Maße publik gemacht werden können. Dass theoretisch jeder Surfer freien Zugang zu diesen Werken hat, ist für den Bekanntheitsgrad nur förderlich. Jedoch sollte mit dem Begriff der "geistigen Freiheit" wie du ihn verwendest,nur mit Vorsicht gespielt werden. Wenn du von Freiheit sprichst, ist darauf zu achten, auf wen sich deine Definition von Freiheit bezieht. In diesem Fall bedeutet die Enteignung der Verfasser die Beschneidung der Entscheidungs- und Publikationsfreiheit. Auf der anderen Seite nimmmt sich Google die Freiheit Werke anderer für die Öffentlichkeit "frei" zugänglich zu machen. Die Freiheit geistigen Gedankenguts geht auf Kosten der Freiheit der Verfasser. Wie ist es möglich, dass die jenigen, denen wir geistiges Gedankengut zu verdanken haben derart entwürdigt werden? Nur weil sie im Vergleich zu breiten Bande der Öffentlichkeit in der Minderheit stehen? Freiheit der Minderheit gegen Freiheit der Mehrheit? Es geht hier nicht um physischen Reichtum, zumindest nicht mehr, als ihn sonst jeder Arbeitende als Entlohnung seiner Arbeit gerne hätte, sondern es geht um das Prinzip der Gerechtigkeit und um die Bewahrung der Würde. Dass Ungerechte ist nicht, dass die Werke jedem zugänglich gemacht werden, sondern dass die physische Armut vieler Verfasser einhergeht mit dem physischen Reichtum der Enteigner. Oder will jemand behaupten, Gooogle zöge daraus keinen Profit? Du verlangst Vorschläge zur pracktischen Umsetzung? Ich denke das Wichtigste ist, dass sich jeder bewusst macht, was er in unserem Land für ein hohes Maß an Freiheit im Internet vorfindet. Denn von Google abzuverlangen, den Gewinn mit den Urhebern zu teilen, wäre womöglich utopisch. Was wir tun können, ist die verlorene Ehre der Verfasser wieder herzustellen, sei es nur geistig. Die Gedanken sind schließlich frei.

 

Name:
URL:
E-Mail:
Kommentare:

Sicherheitsüberprüfung