Copy & Paste statt künstlerischer Leistung

July 3, 2009 · verfasst von: FSJ

©istock.com/Bonerok
Verstöße gegen das Urheberrecht sind im digitalisierten Zeitalter alltäglich geworden. Die kreative Arbeit und der hohe Aufwand, der hinter den Originalwerken steckt, bleibt dabei außen vor.
 
Der 25-jährige Jens (*Name geändert) gestaltet momentan seinen eigenen Internetauftritt. Als Hintergrundmotiv wünscht er sich eine Aufnahme seiner Lieblingsschauspielerin Angelina Jolie. Ein geeignetes Bild ist per Google schnell gefunden. Den passenden Soundtrack liefert Lady Gaga mit ihrem Hit "Pokerface". Dass Jens mit den beidem Downloads gegen Urheberrechte verstößt, stört ihn nicht im Geringsten. "Schließlich habe ich nicht die Möglichkeit, mal so eben nach Los Angeles zu fliegen und ein Bild von Angelina Jolie zu knipsen", rechtfertigt sich der Student nonchalant.
 
Aufwand, Herzblut und Arbeit
 
Jens ist nur einer unter Vielen: Im modernen, digitalisierten Zeitalter bedient sich die breite Öffentlichkeit der Copy&Paste-Tasten, um sich die künstlerischen, technischen und journalistischen Leistungen anderer zu eigen zu machen und sie weiter zu verwenden. Nicht honoriert wird dabei der kreative, geistige Aufwand, das Herzblut und die viele Arbeit, die sich hinter den Originalwerken verbergen.
 
Besonders brisant sind Fälle, in denen geistiges Eigentum nicht nur vervielfältigt, sondern zum Beispiel für links- oder rechtsextremistische Propaganda missbraucht wird. So geschehen im Fall eines freiberuflichen Journalisten aus Bayern, der namentlich nicht genannt werden möchte. Seine Texte wurden ohne sein Wissen, aber unter seinem Namen auf einer von Rechtsextremen betriebenen Website veröffentlicht – wenn auch leicht verfremdet. "Als zwei meiner Auftraggeber davon erfuhren, haben sie die Zusammenarbeit sofort beendet", erzählt der Freiberufler. "Auch als sich die Vorwürfe gegen meine Person geklärt haben, haben sie die bisher einwandfreie Zusammenarbeit nicht weitergeführt".
 
Damit einher ging auch ein beträchtlicher Imageverlust des Journalisten in seinem Wohnort sowie bei seinen Kolllegen. Über ein Jahr habe es gedauert, bis die Gerüchte abgeklungen seien und das Vertrauen in ihn wiederhergestellt gewesen sei. Am finanziellen Schaden durch den Verlust der Auftraggeber habe er heute noch zu knabbern. "Doch besonders schmerzt mich, dass mein kreatives und geistiges  Schaffen durch andere missbraucht und ohne meine Einwilligung  publiziert worden ist. Dadurch werden  meine Rechte als Urheber sowie die hohe, mühevolle Rechercheleistung mit Füßen getreten – und dies könnte ohne weiteres wieder passieren".
 
Kein rechtsfreier Raum
 
Gegen diesen traurigen Umstand haben nun auch renommierte deutsche Verlage beim 3. Internationalen Mediendialog am 8. Juni in Hamburg etwas unternommen: Mit einer Resolution haben sie sich für den Schutz geistigen Eigentums und die Stärkung der Urheberrechte eingesetzt. "Im Internet darf es keine rechtsfreien Zonen geben", heißt es in der Erklärung. Ansonsten sei so auf Dauer die Erstellung von Qualitäts-Inhalten und der unabhängige Journalismus bedroht, steht dort weiter. Auch die Musikwirtschaft verlangte in einem Postulat neue Ansätze gegen den Diebstahls geistigen Eigentums im Internet. Abschließend hieß es: "Vom Kopieren können Künstler und Kreative nicht leben!"
 
Laura Ilg

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