Julia hat Kopfschmerzen, wie so oft, Anita tut der Bauch weh und Philip will endlich stärkere Oberarme bekommen, damit die Mädchen ihn beachten. Drei Jugendliche, drei Probleme, die viele von ihnen schnell mit Arzneimitteln in den Griff bekommen wollen. Also schmeißen Julia und Anita eine Schmerztablette ein und Philip hat sich neben dem Fitnessstudio jetzt für muskelaufbauende Medikamente entschlossen, die seine Arme aufpeppen sollen.
Laut Informationen der
Landeskoordinierungsstelle Suchtvorbeugung NRW (ginko) haben ca. 43% aller Jungen und ca. 48% aller Mädchen mindestens ein Arzneimittel in den letzten 7 Tagen genommen, 7,3% von ihnen nehmen diese sogar täglich. Die Medikamente bekämen die Jugendlichen von ihren Eltern. Seitdem die Krankenkassen die Übernahme der Kosten für frei verkäufliche Arzneimittel abgeschafft haben, sind die Ausgaben für Medikamente ein wichtiger Kostenfaktor geworden. Eine Lösung scheinen da billige Internetangebote zu bieten. Aber – hier ist äußerste Vorsicht geboten.
In einer weltweit koordinierten
Aktion wurden vor einigen Tagen in 26 Ländern 995 Pakete oder Briefe mit vermeintlich gefälschten Medikamenten beschlagnahmt und 72 verdächtige Websites, die nicht zugelassene oder gefälschte Medikamente vertrieben, wurden vom Netz genommen. Das Bundeskriminalamt berichtet: "Die Medikamente enthielten zum Teil andere Wirkstoffe oder Wirkstoffstärken als auf der Verpackung angegeben. Teilweise hatten sie keine Produktbeschreibung in deutscher Sprache. Die Medikamente werden von
Gutachtern deshalb als gesundheitlich bedenklich eingestuft."
Und auch für Philip und seine geplanten Muskeln gibt es Neues: Wie der Spiegel vor wenigen Wochen berichtete, stellten Fahnder vor kurzem 800 Ampullen des gefälschten Arzneimittels Somatrope sicher. Das Mittel sei in der Bodybuilder-Szene begehrt, weil es Muskeln wachsen und Fett schwinden lasse. Laut
Gutachten enthielt das gefälschte Medikament aber statt des Wirkstoffs Somatropin u.a. Kortison, das zu Muskelschwund und Fettsucht führen kann.
Grundsätzlich sei die Frage erlaubt, ob Jugendliche in dem berichteten Maße zu Pillen greifen sollten oder ob nicht heilsamere Wege beschritten werden könnten und Ursachenforschung für den steigenden Arzneimittelkonsum unter Jugendlichen betrieben werden müsste. Aber wenn schon Pille, dann bitte im Original.
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