Gefallener Stern

March 4, 2010 · verfasst von: NAH

©Dreamstime/Webdata Helene Hegemann hat es mit ihrem vor kurzem erschienen Romandebüt "Axolotl Roadkill" in die Runde der vom deutschen Feuilleton lobgepreisten Bücher geschafft; nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse ist sie auch. Als "Kugelblitz in Prosaform und Prosasprache" und "packend im disharmonischen Gesamtklang, einer Mischung aus schwärzester Verzweiflung und spinnerter Vergnügung" wird der Roman gelobt, denn "was man heraushört, ist weniger die Stimme irgendeiner Generation als vielmehr das Grundgeräusch unserer Gegenwart", lobte Ursula März den Roman in der Zeit.
 
Bereits kurz nach Erscheinen des Buches wies der Blogger Deef Pirmasens allerding auf "copy-paste-mäßige Züge" von "Axolotl Roadkill" hin: Texte des Bloggers Airen, in denen dieser in einer Art Live-Biografie seine von Drogen, Sex und Alkohol durchtränkten Nächte im Berliner Club Berghain beschreibt, und die dieser als Roman unter dem Namen "Strobo" veröffentlicht hatte, gingen in nur sehr wenig veränderter Form in Hegemanns Roman auf. Der hochgelobte Teenager fiel aus den weichen Wipfeln der deutschen Literaturkritik auf den harten Boden handfester Plagiatsvorwürfe und verhielt sich einfach nur falsch und uneinsichtig: "Wenn da die komplette Zeit über reininterpretiert wird, dass das, was ich geschrieben habe, ein Stellvertreterroman für die Nullerjahre ist, muss auch anerkannt werden, dass der Entstehungsprozess mit diesem Jahrzehnt und den Vorgehensweisen dieses Jahrzehnts zu tun hat, also mit der Ablösung von diesem ganzen Urheberrechtsexzess durch das Recht zum Kopieren und zur Transformation." Und: "Originalität gibt’s sowieso nicht, nur Echtheit."[1]
 
Rechtfertigt die massenhafte Vervielfältigung von Texten, Bildern, Musik, etc., die Hegemann als die "Vorgehensweisen dieses Jahrzehnts", bezeichnet, wirklich die Tatsache, dass sie schlicht und ergreifend ohne zu fragen und ohne Quellen zu nennen (wie sich rausgestellt hat, war Airen nicht ihre einzige "Quelle") in Teilen abgeschrieben hat? Oder hat sich bei der jungen Autorin bereits ein Bewertungssystem eingestellt, das nicht mehr akzeptiert, dass geistiges Eigentum, das Josef Joffe in der Zeit als "Hauptwertschöpfer des 21. Jahrhunderts" bezeichnet, schlicht und ergreifend Eigentum ist, das respektiert und anerkannt werden sollte? An dieser – Gott sei Dank – noch gültigen Tatsache ändert auch die intellektuelle Aufwertung des Romans durch Begriffe wie "Transformation" oder "Intertextualität" nichts.

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