Rippen statt rappen

April 20, 2010 · verfasst von: AM

©istock.com/Felix_Mizioznikov
Die Buchmesse in Leipzig ist vorbei, die Preise vergeben und der Aufschrei um die Plagiatsvorwürfe gegen Helene Hegemann verhallt. Der Verlag habe sich mit den Urhebern geeinigt und die entsprechenden Stellen werden in der nächsten Auflage ausgewiesen, heißt es. Sie selber rechtfertigt sich mit den Worten: "Wenn alles verfügbar ist, darf man alles benutzen."
 
Dieses Motto hat sich auch Bushido zu eigen gemacht und kopierte fleißig allerlei Melodien von anderen Bands. Allerdings hat in diesem Fall das Gesetz härter durchgegriffen. Hängt dies vielleicht mit der eh umstrittenen Kultfigur des Gangsta-Rappers zusammen? Auf jeden Fall muss sich Anis Ferchichi, alias Bushido vor der Öffentlichkeit rechtfertigen, während die entsprechenden CDs vom Markt gezogen werden. Eigentlich ist das "Sampeln" in der Rapperbranche gar nicht so unüblich, dennoch gehört es zum guten Ton, den Urheber um Erlaubnis zu fragen.
 
Woher kommt dieser neue Trend? Gesprochen wird immer von Digitalisierung und Globalisierung und selbst die Jury des Leipziger Buchpreises lässt sich dazu hinreißen von Ausdruck des Zeitgeistes zu sprechen. Nicht verwunderlich, dass sich namhafte deutsche Schriftstellerinnen und Schriftsteller wie Christa Wolf und Günter Grass kurz vor Beginn der Buchmesse zusammenschließen und sich in einer "Leipziger Erklärung" ausdrücklich gegen geistigen Diebstahl zu Wort melden.
 
Dabei ist die Rechtslage in allen Fällen klar. Genau wie für die schreibende Zunft gilt für die Musik, dass schon kleinste Tonfetzen urheberrechtlich geschützt sind und nur dann verwendet werden dürfen, wenn der neue Song ausreichenden Abstand zum Original vorweist oder der Urheber informiert ist und zugestimmt hat.
 
Wie soll man jungen Menschen den Respekt vor geistigem Eigentum verständlich machen, wenn die modernen Helden mit schlechtem Vorbild vorangehen und darüber hinaus in aller Öffentlichkeit rehabilitiert werden, wenn es dann heißt: "Der Remix gehört seit den 80er Jahren zu den selbstverständlichen Kulturtechniken. Das Vermischen und Neuordnen von Eigenem und Fremdem als ästhetisches Prinzip wurde in der Musik eingeführt, allmählich von bildenden Künstlern und Autoren übernommen. Das Verdienst des Remixens ist es, dass Altes tradiert und im neuen Zusammenhang vor dem Vergessen bewahrt wird."[1]. Schöne neue Welt!

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