Vergleich mit einer 30-Minuten-Pizza

September 12, 2011 · verfasst von: AM

©istock.com/Roob
Julia Sodtke
Max sitzt vor dem Computer in seinem Zimmer. Seine Eltern sind seit dem Morgen unterwegs und werden erst in einigen Stunden zurück sein. Er will die Gelegenheit nutzen, um die Musik mal wieder laut aufzudrehen. Die Musikalben auf seinem Computer hat er jedoch bereits zu oft gehört. Er entschließt sich deshalb, ein neues Album herunterzuladen.
 
Bei einem Blick auf die Uhr stellt Max fest, dass es bereits Mittagszeit ist. Er öffnet daher zuerst eine Bestellseite für Fastfood. Dort entscheidet er sich für seine Lieblingspizza im indischen Stil mit Hühnchen und Curry und für ein kaltes Getränk. Bis zur Lieferung wird es noch etwa 30 Minuten dauern. Max legt sich sofort einen Zehner bereit, um später den Lieferanten zu bezahlen. Danach öffnet er eine Webseite, die Downloads von Musik anbietet. Das neue Album von David Guetta wird empfohlen. Er entscheidet sich schnell dafür, dieses Album heute laut zu hören. Dann schaut Max auf den Preis von knapp 10 Euro. Das ist ihm zu viel! Schnell öffnet er eine andere Webseite. Gott sei Dank kostet das Album hier nichts!
 
Schaut man sich die Situation einmal genau an, fällt auf, wie paradox sie ist: Wenn es darum geht, dem Pizzalieferanten zehn Euro zu bezahlen, dann gibt es keinen Protest. Geht es jedoch um ein Musikalbum, dann sind zehn Euro plötzlich viel zu viel Geld. Dabei stecken in der Produktion der verschiedenen Songs sehr viel mehr Ideen, Schweiß und schlaflose Nächte als in der Zubereitung einer Pizza! Wenn man es genau nimmt, dann ist der Download der Musik auch "faster als Fastfood". Nach einem Klick und wenigen Minuten Wartezeit ist das Album auf dem eigenen Rechner, wohingegen die Lieferung der Pizza etwa eine halbe Stunde dauert. Der Nutzen der Pizza ist auch begrenzt, da nach dem Verspeisen davon nichts übrig bleibt. Doch ein Album bleibt Jahre erhalten und kann jederzeit angehört werden.
 
Wieso also diese unterschiedliche Wertschätzung, wenn es um zehn Euro geht? Der Grund kann doch nicht der sein, dass eine Pizza satt macht und man von guter Musik nicht genug bekommen kann?! Auf jeden Fall scheinen Musikalbum und 30-Minuten-Pizza im Kopf des Verbrauchers irgendwie nicht vergleichbar zu sein …

Bookmarken bei: Mister WongLinkarenaYiGGWebnewsYahoo MyWeb



1 Link zu diesem Beitrag


Sicherheit macht Schule Plattform für Unterrichtsideen

Trackback von Sicherheit macht Schule am 28 Feb 2009


2 Antworten bis jetzt


  • 18. 09. 2011 04:18 von Axel Borns
    Ich denke, dieses Phänomen ist ein einfacher psychologischer Effekt und die unterschiedliche Wertschätzung kommt meiner Meinung nach allein durch das Ausgeben von Geld. Jüngeren Musikliebhabern, die nicht den großen Überblick über die Musikindustrie haben und auch noch nicht den Schritt in die Berufswelt gemacht haben, kommen kostenlose Musikstücke gleichzeitig weniger wert vor. In dem Fall in dem ein "Raubkopierer" dann doch einmal ein Album nicht illegal bekommen kann, kauft er es sich doch und hat automatisch eine höhere Wertschätzung davon. Egal ob bei Musikhändlern nur online als MP3 gekauft oder wirklich materiell, das Gefühl des Wertes des Produktes stellt sich automatisch beim Verlust des eigenen Geldes ein. Sicher nicht zu wenig durch das sich selber einreden, sein Geld für das Richtige ausgegeben zu haben. So lange dem Downloader nicht wirklich ins Gewissen geredet wird, was er da gerade tut, sieht er auch nicht ein warum er dafür Geld zahlen muss. Ich beobachte schon lange auf Youtube das Phänomen der "geldgeilen Youtuber". So werden Youtuber genannt, die offen zugeben, ihre Youtube Videos _auch_ aufgrund des Geldes zu machen. Sobald dieses Motiv an die Öffentlichkeit gelangt, werden diese Youtuber beschimpft dass sie geldgeil wären und die User "abzocken". Wobei von Abzocken kaum die Rede sein kann, da das einzig negative das vom Zuschauer als solches angesehen werden kann, ist die nun entstehende Werbung. Aber diese Geldgeil-Schreier sind meistens Kinder und Jugendliche die das Prinzip des Geldverdienens wohl noch nicht verstanden haben und nicht einsehen können, dass der Künstler seine Videos nicht nur aus Spaß macht, sondern auch um davon leben zu können und dass dieses Hobby-zum-Beruf machen etwas sehr zu unterstützen wertes ist, für das man auch den ein oder anderen Werbespot in Kauf nehmen sollte. Das Ganze ist natürlich genau so auf die Musikindustrie übertragbar, sobald jemand berühmt wird, kommen die Downloader, die sich selber einreden nichts Schlimmes zu tun, da der Musiker geldgeil sei oder sowieso schon genug verdient. Entweder man weckt bei jugendlichen und erwachsenen Downloadern dieses Verständnis, diese schlechte Gewissen beim Runterladen oder die Musikindustrie muss sich einfach komplett neue Maschen ausdenken Musik zu vermarkten. Und diese neuen Maschen sind ja auch voll im Gange, so verkaufen inzwischen viele Bands ihre Alben indem man den eigenen Preis bestimmen kann. So kann man einen Cent für das Album bezahlen und wenn es gefällt, noch mehr hinterherspenden. Die Band Radiohead hat so nicht wenig an ihrem Album verdient. Ich persönlich glaube, dass man durch solche neuen Ideen mehr Raubkopieren verhindern oder wenigstens vermindern kann. Den Leuten ins Gewissen reden und komplette Kehrtwenden in den Köpfen der Leute zu schaffen (wie es heutzutage mit Angst in den Anti Raubkopierer Spots gemacht wird) ist schwer und funktioniert nur in den wenigsten Fällen.
  • 26. 11. 2011 12:49 von Lalaine
    Woendrful explanation of facts available here.

 

Name:
URL:
E-Mail:
Kommentare:

Sicherheitsüberprüfung